Autor: Claus-Peter Abée
Datum: 11. 04. 2009
Vorwort: In unserem Gesundheitswesen besteht keine Möglichkeit, Alles für Alle auf dem neuesten Stand der Wissenschaft solidarisch zu finanzieren. Politik und maßgebliche Medien, die in gesellschaftspolitischem Wechselspiel aufeinander angewiesen sind, haben bisher verschleiert, dass dafür die verfügbaren Geldmittel nicht ausreichen. Man verdrängt die Notwendigkeit individueller Eigenverantwortung - aber nicht nur das. Nein, man sieht es als eine Aufgabe des Staates, verantwortlich dafür Sorge zu tragen, dass jeder Bürger im Land die von ihm beanspruchte medizinische Versorgung ohne eigenes Zutun einfordern kann. Ein hoffnungsloser Trugschluss und eine populistische Verblendung der Bürger, die zur sachlichen Meinungsbildung und Beurteilung nicht beiträgt. Im Mittelpunkt steht derzeit nicht der Mensch als Patient, sondern eine ins Gigantische gewachsene Gesundheitsverwaltung, die staatlich gestützt und dirigiert ihren marktbeherrschenden Einfluss auf die Arzt- Patienten-Beziehung ausweitet. Die Therapiefreiheit wird eingeschränkt und die freie Arztwahl ist für weite Teile der Bevölkerung ausgeschlossen. Für all´jene, die in den Heilberufen stehen, muss auch die Chance erhalten bleiben, dass sie noch heilen können. Gegenwärtig wird von politisch entscheidungsbefugter Seite private Heilkunde in Deutschland diskreditiert. Wir befürworten staatliche Aufsicht im Gesundheitswesen – aber wir verurteilen im Medizinbereich jede staatliche Lenkung unserer Methoden und Mittel. Eine vertrauensvolle Arzt-Patienten-Beziehung bedarf eines besser bemessenen Zeitfensters und einer entsprechenden Vergütung. Die Honorierung der sogenannten „sprechenden Medizin“ war am betriebswirtschaftlichen Gewinn nie orientiert. Mitmenschliche Zuwendung ist hierzulande immer überwiegend Kulanzleistung. Aus zahnärztlicher Sicht hat der Staat im Hinblick auf die ethische Verpflichtung der im Gesundheitswesen Tätigen seine selbst übernommene Verantwortung für ein angemessenes Leistungsäquivalent wiederholt vernachlässigt. Vielmehr wird den Angehörigen der Heilberufe zugemutet, sich a priori mit Punktwerten, Budgets und Fallpauschalen herumzuschlagen. Liebevolle Medizin braucht hohe Qualität und Versorgungsintensität. Alle Sparten der Medizin haben ihre Daseinsberechtigung und sind insoweit sinnvoll und notwendig, wenn sie sich marktwirtschaftlich unabhängig behaupten. Wir sollten den tiefen Sinn ärztlicher Kunst nicht vergessen: Wer heilt, hat recht.
Claus-Peter Abée